Bericht aus dem PHM

Hey Leute!

Wollen wir vielleicht für den Blog einen kleinen Bericht aus dem PHM verfassen?
Dann könnten sich Interessierte dort schlau machen und wir müssten nicht ständig das selbe berichten….

Das geht natürlich nur, wenn wir uns grob auf einen Nenner einigen. Ich habe heute erst wieder eine Anfrage beantwortet und würde diese hier als Diskussionsgrundlage bereitstellen. Natürlich hat jede und jeder seine ganz eigenen Erfahrungen, aber viellicht köbnnen wir die Punkte sammeln in denen sich unsere Urteile überschneiden. (Außerdem wäre dann mal wieder was neuen auf dem Blog :)

Also hier der Text:

Das erste Semester kann ich rückblickend als überwiegend positiv bewerten. Die Seminare haben sich für mich erfreulicherweise sowohl durch fachliche tiefe als auch den hohen Praxisbezug ausgezeichnet.

Besonders positiv fand ich, und finde ich auch im zweiten Semester, die zahlreichen Exkursionen und Gäste in den Veranstaltungen. Dem Studiengang kommt dabei sehr entgegen, dass es eine Vielzahl an Angeboten in Berlin gibt und viele Menschen, die Bereichen die der Public History zugeschrieben werden können, in Berlin und Umgebung beschäftigt sind. Auch die Verstärkte Beschäftigung mit Fragen nach der Erinnerung und des gegenwärtigen Umgangs mit der Vergangenheit waren für mich sehr gewinnbringendes Neuland. Darüber hinaus war für mich sehr erfreulich, dass auch neue Medien ihren Raum finden. Im ersten Semester gab es dazu das Seminar „Geschichte im Internet“, derzeit haben wir eine Veranstaltung zur Geschichte in Film und Fernsehen.
Dabei kommen leider die Arbeit mit Quellen und die Methodenlehre insgesamt und abgesehen von der Erschließung neuer Quellengattungen, wie eben den audio-visuellen Medien, etwas kurz. Hier wird darauf gesetzt, dass die Studis das „Rüstzeug“ aus dem Bachelor mitbringen. Überwiegend wurde in den Seminaren mit Sekundärliteratur gearbeitet, die beispielsweise im Lektürekurs zu Geschichte der BRD sogar zu Quellen einer Wissenschaftsgeschichte stilisiert wurden. Ebenfalls negativ fiel mir der hier schon angeklungene Zentrismus auf die (west-)deutsche Geschichte auf. Kaum einmal bewegte sich bisher der Seminarinhalt über die Grenzen der BRD und des vereinigten Deutschlands hinaus. Auch muss betont werden, dass dieser Master auf die Zeitgeschichte orientiert ist. Es wird zwar nicht verboten auch die Erinnerung an andere Epochen zu betrachten, laut Seminarplan sind solche Exkurse allerdings kaum vorhanden.

Von der Organisation her gab es für uns eigentlich keine Probleme. Studien- und Prüfungsordnung scheinen mir angemessen und haben zu keinen größeren Verwirrungen geführt. Insbesondere auch deswegen, weil eine ausgesprochen gute Kommunikation zu den Koordinatoren (Gundermann und Hochmuth) herrscht, die diese auch ausdrücklich gewünscht haben. Insgesamt wurde versucht auf die Bedürfnisse der Studis einzugehen und unsere Anregungen und Ideen umzusetzen. Hier möchte ich betonen, dass wir zu einer richtig guten Gruppe zusammengewachsen sind, die sich nicht scheut auch Kritik zu äußern.
Trotz der überschaubaren Anzahl an Pflichtveranstaltungen wurden wir allerdings von einem enormen Arbeitspensum erschlagen. Es gab extrem umfangreiche Lektüren zu den einzelnen Veranstaltungen (was sich in diesem Semester schon merklich gebessert hat) und die vielen Exkursionen brachten verständlicherweise viel Vorbereitung und Fahrzeit mit sich. Darüber hinaus fanden im November drei Blockseminare zur EDV-Kompetenz statt, die täglich stattfanden und kaum Raum für andere Tätigkeiten ließen. Daneben ist - und bleibt wohl vorerst auch - ein besonderer Kritikpunkt von Seiten der Studis die Geschlossenheit der Seminare gegenüber anderen Studierenden. Auch hier haben wir versucht mit den Koordinatoren zu reden, aber bisher nur wenig erreicht.

Inhaltlich und mit Blick auf die Gestaltung der Veranstaltungen kann ich diesen Master vorbehaltlos empfehlen, wenn sich die Zeit genommen wird auf eigene Faust auch internationale Ansätze und andere Epochen zu betrachten. Die Struktur bleibt für mich der Hauptkritikpunkt: Die Vorteile einer „Klassengemeinschaft“, wie in der Schule, liegen auf der Hand, jedoch bleiben meines Erachtens Fairness gegenüber interessierten Studis anderer Fächer und Multiperspektivität in den Seminaren auf der Strecke.

F.W.: Stimme Georg in vielen Punkten zu. Ein Bericht über Vor- und Nachteile des Studiengangs aus studentischer Perspektive wäre für die neuen "Kohorten" wirklich hilfreich.
Vorteile des Studiengangs:
- "Klassen"charakter, Größe des Studiengangs, Gruppendynamik
- Sehr interessante Themen in den Seminaren, abwechslungsreich und aufeinander bezogen
- Dozenten sind immer ansprechbar und freundlich, man fühlt sich nicht mehr als eine weitere Matrikelnummer wie im Bachelor, gute Betreuung
- Viele Exkursionen, Expertentreffen und Praxisberichte
- Angebot von weiterführender Vertiefung: das Colloquium
- Die Möglichkeit von Auslandsaufenthalten besteht & die Koordinatoren sind diesbezüglich sehr kulant
- Gelerntes kann (idealerweise) in der Praxisphase angewendet werden - obligatorisches Praktikum
- Studierende haben alle einen unterschiedlichen fachlichen Background, erzeugt ein interessantes Spektrum
Kritikpunkte am PHM:
- Oft fehlende internationale Perspektive, viele Themen und die Curricula insgesamt sind sehr Deutschlandzentriert.
- Das terminliche (oder im ersten Semester manchmal auch inhaltliche) Chaos ist zumeist mit der Erprobungsphase des Studiengangs entschuldbar, wird aber bei der Koordination von zwei "Kohorten" wohl auch nicht ganz wegfallen.

C.F.H: Dem Großteil des Textes stimme ich zu. Eine andere Sicht habe ich auf unsere geschlossenen Seminare, zu der keine anderen Studenten zugelassen sind - auch wenn es vielleicht ein wenig egoistisch ist. Ich finde diese Seminare, gerade im Vergleich zu den Bachelorveranstaltungen mit teils über 30 Mann, sehr viel gewinnbringender. (Diese glichen oft mehr einer Vorlesung als einem Seminar.) Man kann durch die kleinen Gruppengrößen viel intensiver lernen und diskutieren. Auch der Umstand, dass wir uns gegenseitig kennen, lockert die Athmosphäre auf und fördert die Arbeit und die Diskussionen im Seminar. Wenn jeweils noch zwei oder drei andere Studierende zugelassen werden, habe ich damit natürlich kein Problem. (Die Frage ist nur: wer wird dann dazugelassen und wer nicht, wenn deutlich mehr Studierende sich für unsere Seminare interessieren.) Aber grundsätzlich freue ich mich über die kleine Gruppengröße.

OB: Stimme dem größten Teil zu.
Es gibt sehr viel Positives am Studiengang, auch eine vertiefte Beschäftigung mit verschiedenen Medien – in diesem Semester mit Dokumentar- und Spielfilm, was mich persönlich sehr freut.
Allerdings ist der Studiengang sehr Westeuropäisch (wenn nicht nur Deutschlands-) zentriert, auch die DDR Geschichte kommt leider nur zu kurz vor.
Was den "Klassencharakter" angeht – zum einen finde ich es sehr gut, zum anderen zwei Jahre „im eigenen Saft zu kochen“ wäre vielleicht nicht ganz perfekt.
Was obligatorisches Praktikum angeht ist es eher schwierig. Das Praktikum muss laut Plan 8 volle Wochen dauern. Ob dies im Masterstudiengang für alle machbar ist, wäre zu fragen. Studentische Tätigkeit deren man im Laufe des Studiums nachgeht, auch im Bereich Geschichte, wird nicht als Praktikum anerkannt unter Begründung „wir, Betreuer, wollen von Anfang an dabei sein, Euch betreuen“. Da fragt man sich - ist jetzt das Praktikum für die Dozenten, oder doch für uns? Theoretisch hieße dies man sollte entweder gar nicht arbeiten, sich 8 Wochen Urlaub nehmen können (wer von Arbeitsgebern wird dem zustimmen?), oder keinen festen Job haben. Es besteht auch Möglichkeit nach Absprache das Praktikum auf zwei Ferien zu verteilen. Mit allen Vorteilen des Studiengangs, und Offenheit der Dozenten muss man einfach bereit sein flexibel, bzw. sehr flexibel zu handeln. Generell kann ich den Studiengang sehr empfehlen.

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